17.10.2007 eRanking Ganz schnell finden statt lange suchenWer in seinem Herbsturlaub ein paar Tage in das nordfriesische Friedrichstadt fahren möchte und bei Google nach Informationen dazu sucht, bekommt 720 000 Internetseiten als Ergebnis geliefert. Es dauert viele Stunden, um die für ein verlängertes Wochenende notwendigen Daten aus der Liste zu filtern. Noch in diesem Monat wollen jedoch zwei Unternehmen Software präsentieren, die Suchergebnisse logisch sortiert darstellt. Damit ist auf einen Blick zu sehen, welche wichtigen Informationen es zu dem Ort gibt (siehe Grafik). Zwar kann Google fast alles. Die Software gibt automatisch an, wie viele Zentimeter fünf Inches sind, welche Züge zwischen Hamburg und Berlin fahren, und wie das Wetter in der gesuchten Region wird. Es ist möglich, die Suche zeitlich und sprachlich einzugrenzen, auf bestimmte Internetseiten und Dokumententypen zu beschränken sowie englischsprachige Seiten ins Deutsche zu übersetzen. Bei Bildern und der allgemeinen Textsuche ist Google unschlagbar. Eine Fähigkeit beherrscht Google allerdings noch immer nicht. Die Suchmaschine begreift und erkennt nicht, was der Nutzer möchte. Das Programm findet lediglich Internetseiten, auf denen der Suchbegriff steht. Es gibt nicht die Möglichkeit, zum Beispiel die zehn Jazzpianisten zu finden, die am meisten Platten verkauft haben, oder direkt die Länge der irischen Küste zu erfahren. Das können jedoch die neuen Suchmaschinen, die Radar Networks und StumbleUpon entwickelt haben und bald zum Test freigeben. Sie erkennen die tiefere Bedeutung der Sucheingabe. So ist es ihnen möglich, zwischen dem Automodell Golf und der Sportart Golf zu unterscheiden. Je nach Wunsch des Nutzers zeigen sie die passenden Ergebnisse an. Künftige Suchsoftware wird außerdem lernen, welche Internetseiten der Anwender am häufigsten angeklickt hat. Das Programm listet dann vergleichbare Seiten auf. Zusammengefasst ergeben die Fähigkeiten das "semantische Web", das die Internetinhalte nicht als Buchstaben und Zahlen erfasst, sondern deren Bedeutung erkennt. An solch intelligenter Software arbeiten neben Radar und StumbleUpon auch Unternehmen wie Metaweb und Powerset sowie die Großen der Branche Yahoo und Google. Internetunternehmer rechnen damit, dass der Umsatz im semantischen Web 2010 von derzeit etwa fünf auf mehr als 50 Milliarden Dollar gestiegen sein wird. Im intelligenten Netz besteht jede gesuchte Person nicht nur aus dem Namen. Zu ihr gehören immer auch Geburtsdatum, Beruf und Beziehungen zu anderen Menschen sowie Hobbys und Interessen. Wer eine Reise durch Deutschland unternehmen und dabei alle Freunde besuchen möchte, kann die Planung der Software überlassen, die nach Informationen im Internet sucht. Das Programm vergleicht zum Beispiel, wer an welchem Ort wohnt und wann Zeit hat. In dem Panama genannten Projekt will Yahoo die Daten Unternehmen anbieten, damit sie gezielt für ihre Produkte werben können. Wer häufig auf Internetseiten zugreift, die über schnelle Autos berichten, bekommt entsprechende Informationen von Porsche oder Ferrari. Andere Programme verfolgen genau, was Websurfer im Internet machen und schalten sich ein, wenn sie etwas zu bieten haben. Sucht jemand zum Beispiel nach Digitalkameras, erkennt das die Software und schlägt ihrerseits Seiten mit Sonderangeboten vor. Demnächst wird außerdem Spock starten. Der Dienst stellt alle im Internet verfügbaren Informationen über eine Person zur Verfügung. Es ist zu befürchten, dass viele Nutzer die Daten für andere Zwecke einsetzen. Personalchefs werden damit auch private Informationen über Bewerber sammeln können, verlassene Liebhaber den weiteren Lebensweg des Expartners verfolgen. Doch eine intelligente Software für ein semantisches Web kann noch mehr. Google zum Beispiel plant mit einem Programm, das den Alltag der Nutzer begleitet. Erst kürzlich hat Google-Chef Eric Schmidt gegenüber der "Financial Times" skizziert, was diese Software leisten könnte. Sie gäbe zum Beispiel Antworten auf die Fragen "Was könnte ich morgen unternehmen?" und "Welchen Job sollte ich machen?". Es bliebe aber weiterhin möglich, die Antworten zu ignorieren und selbst darüber nachzudenken. Quelle: Welt Online |
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